Predigt zu Christkönig

Die «ökumenischen Novembergespräche Schwyz» hatten den Titel «Komische Zeit». Ja, wir leben in spannenden und aufregenden, aber auch belastenden Tagen. Nicht nur für einzelne, sondern auch sozial und politisch ist da einiges durcheinandergeraten. Denken wir neben Burnout und Mobbing an die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen. Dabei ist es nicht mehr nur das Virus, das uns mit seiner Bedrohung auf Trab hält, sondern auch die daraus entstandenen sozialen Konflikte. Impfgegner und Impfbefürworter können teilweise nicht mehr miteinander reden. Freundschaften und Familien zerbrechen, auch da, wo man das nie erwartet oder geahnt hätte.

Dann tönt mir immer noch Glasgow in den Ohren nach. Jeder und jede versucht sich da möglichst gut darzustellen, denn die Grenzen der Natur sind den meisten von uns einsichtig. Hier sind die Leugner eher etwas verstummt. Aber die Fragen sind sehr komplex und wir selbst möchten ja möglichst so weiterleben wie bisher – oder vielleicht noch etwas besser. Es sollen doch die anderen mit Einschränkungen beginnen. Wir geben uns doch zumindest etwas Mühe und tun dies oder jenes. Wir investieren ja einiges an Geld für grüne Technologien. Aber Mutter Erde wird trotzdem kränker und kränker.

Und dann haben wir jetzt November, erleben die kurzen und dunklen Tage, das Absterben und das Ruhen der Natur. Auch ist es die Zeit, da wir unserer Endlichkeit bewusst werden. Liebe Menschen sterben und sind nicht mehr da. Der Theologe Fulbert Steffensky ermunterte an den «ökumenischen Novembergesprächen Schwyz» zum «Mut zur Endlichkeit». Auch persönlich werden wir uns unserer Grenzen bewusst, bis hin zum Sterben. Und die Statistiken zeigen leider, dass die meisten von uns erst nach einer längeren Leidens- und Sterbezeit davon erlöst werden. Triste Gefühle werden da wach.

Ja, eine komische Zeit, in der wir leben. Wo kommt Hoffnung her? Und da wünsche ich mir, dass die nächtliche Vision im Buch Daniel Wirklichkeit würde: «Alle Völker, Nationen und Sprachen dienten ihm. Seine Herrschaft ist eine ewige, unvergängliche Herrschaft. Sein Reich geht niemals unter» (Dan. 7,14). Welch eine Vision. Was für eine Hoffnung! Welche Kraft! Komm lieber Gott, mache Ordnung auf dieser deiner Erde und sei barmherzig; so schreit mein Herz. Zeige dich in dieser komischen Zeit. Doch, ich schaue um mich und sehe viele Fragwürdigkeiten, Krankheiten, Überforderungen, Angst, Grenzen.

Vor 2000 Jahren hat Jesus von Nazareth gelebt und uns nach unserem Glauben das Leben, Erlösung gebracht. Wo ist er und sein Reich Gottes geblieben? Das Kirchenjahr schlägt uns heute am Christkönigssonntag die Begegnung von Jesus mit Pilatus zum Betrachten vor. Wie im römischen Reich üblich, darf der Angeklagte vor dem Richter, dem Regierenden zu seinem Fall Stellung beziehen. Der Vorwurf an Jesus ist der Anspruch «König der Juden» zu sein. (Joh. 18,33-37) Und als solcher würde Jesus die römische Macht in Palästina gefährden und nach römischem Recht zum Tod verurteilt werden. In der Hoffnung des alttestamentlichen Buches Daniel würde die Machtübernahme Jesu eine ewige, unvergängliche Herrschaft Gottes bedeuten. Pilatus müsste sich vor Jesus wirklich fürchten und abdanken. Denn seine Macht wäre dahin.

Jesus von Nazareth gibt Entschärfung. «Mein Königtum ist nicht von dieser Welt», sagt er, und «Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege». Daniels Hoffnung, dass der Menschensohn die Welt auf den Kopf stellt und alles mit Gewalt ordnet, das können wir vergessen. Es wäre schön gewesen, heute eine durchschlagende Lösung zu haben. Diese gibt Gott uns nicht. Doch können wir das Reich Gottes auch nicht nur einfach in eine ferne Zukunft verbannen, wie das der Prophet Daniel konnte. Jesus Christus lebt und hat die Welt erlöst. So die österliche Botschaft vor bald zweitausend Jahren. Jesus sagt dem Pilatus, er lege für die Wahrheit Zeugnis ab. Übrigens eine Wahrheit, die wir hörend auf seine Stimme, auf sein Wort und Tun erleben und erfahren können: «Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme».

Wie ist nun das Königtum Jesu im Heute zu verstehen und vor allem zu leben? Seine Engel oder sogar Armeen ruft Jesus auch heute nicht. «Wahrheit» ist das Stichwort, welches uns der Evangelist Johannes schenkt. Es ist dies eine Wahr-heit, die auf Beziehung mit Jesus, auf Vertrauen in Gott setzt. Eine Wahrheit, die davon ausgeht, dass wir Hörende werden. Hörend auf Jesu Stimme, vielleicht so hörend auf die Natur, hörend auf Menschen; friedfertig und gewaltlos, ehrlich und authentisch, glaubwürdig wie Jesus selber es war. Und wenn ich auf die «ökumenischen Novembergespräche Schwyz» höre, dann muss ich als Mensch nicht perfekt sein, gut sein genügt; ich darf mutig zu meiner Endlichkeit und zu meinen Grenzen stehen, aufmerksam im hier und jetzt leben und handeln. Dies tat auch Jesus von Nazareth in der Begegnung mit Pilatus. Keine grossen Worte und Machtbekundungen. Zuhören, schweigen und das wichtige sagen und tun. Eben, Wahrheit leben in all meiner Menschlichkeit. Amen.

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