Im Dickicht des Lebens

Predigt zu den Seligpreisungen, Lk 6,17-26

Das heutige Tagesevangelium erinnert mich an Moses. Er stieg auf den Berg und brachte dem Volk die zehn Gebote Gottes; also eine Orientierungsrichtlinie für gutes und gottgefälliges Leben.
Auch Jesus war auf dem Berg in der Gottesbegegnung und kommt mit den zwölf Jüngern in die Ebene. Eine grosse Schar Jünger und viele Menschen versammelten sich um ihn. Jesus trifft sich also in den Niederungen des Alltags mit den Leuten, so würde ich meinen.
Moses brachte zwei Tafeln mit Geboten. Es sind dies Worte und ist zuerst einmal theorielastig. Den Lesenden mit den zehn Geboten gesagt, was sie zu tun werden und was sie zu unterlassen haben.
Jesus von Nazareth ist praktischer veranlagt. Er hat Kraft und bringt Heilung; Heilung von körperlichen und psychischen Krankheiten. Und darin sehe ich auch die erste Aufgabe in unserem Leben der Jesus-Nachfolge. Unsere Kräfte sollen wir für unsere Nächsten einzusetzen, damit sie körperlich und psychisch heil werden, oder zumindest in ihrem Leiden begleitet werden und einigermassen gut leben können. Das gilt für die vielen Menschen aus ganz Judäa und Jerusalem, dem Küstengebiet von Tyrus und Sidon. Auch Schwyz.
Uns für die vielen Menschen in Schwyz und Umgebung heilsam einzusetzen. Darin sehe ich unseren Auftrag als Jünger und Jüngerinnen. Als Ortskirche sind wir hier engagiert. Ich möchte hier primär einmal an die Kirso, die Kirchliche Sozialberatung Innerschwyz erinnern. «Die KIRSO ist eine professionelle Anlauf- und Beratungsstelle für Personen aus der Region Innerschwyz. Menschen in schwierigen Lebenslagen finden hier Beratung, Unterstützung und Begleitung, unabhängig von Religion und ethnischer Zugehörigkeit.» kann man auf der Homepage www.kirso.ch lesen. Und ich weiss, Franz Schuler und Judith Rüegg leisten gute und verantwortungsvolle Arbeit.
Die Antonius-Gelder, die dem Kapuzinerkloster abgegeben werden, gehen an die Kirso, für die Menschen in schwierigen Lebenslagen. Auch unterstützt das Kloster die Arbeitsstelle finanziell und ideell. Bald ist die GV des Vereins «Diakonie Innerschwyz» und ich bin gespannt, wie die soziale Situation in der Innerschwyz aussieht.
Doch Jesus geht noch einen Schritt weiter. Er wendet sich im Lukasevangelium in vier Seligpreisungen und vier Wehe-Rufen an seine Jünger und Jüngerinnen. Seligpreisungen: armutsbetroffen und hungernd bin ich nicht, selten weinend und auch nicht gehasst. Gut, manchmal ist es nicht nur einfach, römisch-katholisch zu sein. Menschen wenden sich ab von der Kirche, die Austrittszahlen sind hoch. Doch haben wir als Kirche, als Jünger und Jüngerinnen in der Vergangenheit wie auch in der Gegenwart einige Fehler gemacht. Da habe ich mich, wir uns als (römisch-katholische) Kirche zu verbessern und allen Menschen Kraft der Heilung zu werden.
Die Weh-Rufe decken wohl eher meinen heutigen Alltag ab. Ja, ich bin reich – gut nicht steinreich – ; ich bin satt – und manchmal übersatt. Nein, ich habe nicht den ganzen Tag zu lachen, auch wenn ich mich als glücklichen Menschen erfahre. Ab und zu darf ich auch ein Lob ernten und das macht mir Freude. Die Option für die Armen ist nicht unbedingt eine Option für Adrian. Nun, ich hoffe nicht gänzlich auf der Strecke zu bleiben.
Jesus macht mich also mit seinen Seligpreisungen und Wehrufen betroffen. Da kann ich mich gewiss nicht gemütlich zurücklehnen und alles ist gut. Ich sehe sie eher als eine Herausforderung, meine Kräfte wahrzunehmen, heilsam einzusetzen und mich aber als Christ immer wieder kritisch zu orientieren und zu hinterfragen:
Bin ich auch für alle Menschen heilsam, körperlich und psychisch?
Bin ich mir bewusst, dass Jesus mit den Seligpreisungen und Weh-Rufen die Welt auf den Kopf stellt. Nicht die Reichen und Satten, die Menschen auf der Sonnenseite und die umgarnten Grossen bekommen seine Aufmerksamkeit und sein Lob. Jesus stellt für uns Jünger und Jüngerinnen Menschen am Rand ins Zentrum. Und warum das? Das Reich Gottes kennt andere Massstäbe als Kapuziner zuerst oder Switzerland first oder Geld regiert die Welt oder der Mensch ist des Menschen Wolf. Nein, heilsam und solidarisch werden wir heute und in Zukunft ins Reich Gottes einziehen – und das wird unsere Freude sein. Die Güte, der Erfolg einer Gemeinschaft, einer Gesellschaft zeigt sich im Umgang mit den Armen, Hungrigen, Traurigen und den Menschen am Rand. Amen.

Wiederkäuen – ein Gebet

DU
lichtvoll
lichte mich
locke mich

schenke mir
Glauben, der öffnet (für die Gottes-, Nächsten-, Selbstliebe)
Hoffnung, die trägt (in den Stürmen des Lebens und der Weltpolitik)
Liebe, die sich solidarisiert und versöhnt

lass mich spüren und erkennen
DEIN Reich am Kommen

In der mittelalterlichen Spiritualität nennt man es „ruminare“, wiederkäuen wie eine Kuh – und ein Franz von Assisi war ein Spezialist darin in seiner Kantemplation. Niklaus Kuster hat ein Gebet des Poverello übertragen und ich es in der Stille wieder und wieder verinnerlicht. Bevor ich zum Schweigen kam, entstanden obige Worte.

Meditationsformen

Seit jeher suchen Menschen nach der Stille. Die Wege dahin und deren Erfahrungen sind mannigfaltig und sehr persönlich. Viele Menschen machen sich alleine auf den Weg. Andere vertrauen auf Lehrer und Meister. Hier eine unvollständige Auslegeordnung.

Buddha hatte die Erleuchtung unter einem Baum, Jesus bei der Johannes-Taufe im Jordan, Mohammed in einer Höhle, wo ihm der Koran diktiert wurde, und Moses vor einem brennenden Dornbusch.

Halt? Hat Meditation mit Glauben und Religion zu tun? Nein. Heute nicht mehr unbedingt. Vor allem das weite Feld der Aufmerksamkeits-Meditationen braucht keine transzendente Grösse, Kraft oder gar Gott. Schon die Konzentration auf den eigenen Atem, einen Körperteil oder auch auf äussere Geräusche helfen, herunterzufahren, zu entstressen und ruhig zu werden. Wissenschaftliche Untersuchungen beweisen die Wirksamkeit solchen Tuns.

Hier geht es zum PDF des Franziskuskalenders 2019.

Pedalo-Psalm

Muss ich auch treten mein Pedalo auf bewegter Seee
So fürchte ich keine Tiefen und Strömungen
Denn du Gott bis bei mir.
Du führst mich zurück ans sichere Ufer.
Du gibst mir Kraft und Elan.
So kann ich auch grossen Schiffen ausweichen
Und Gefahren glücklich überwinden.
Mein Herz wird jubelnd
Und ich dir danken für eine wunderbare Fahrt.
Amen.

Gebet zum Meditationsbeginn

Schöpfer und Begleiterin
Jesus Christus
Heilige Schechina
Hier bin ich,
offen für dich,
bereit anzunehmen Freude und Schmerz,
die heilen und versöhnen.
Schenke mir die Sehnsucht der Rebe am Weinstock:
bleiben in dir, Jesus;
gepflegt und gereinigt werden vom Vater,
damit ich im Leben Frucht bringe;
vielfältige Gaben des Heiligen Geistes.
Amen.

Natur Filigran

Es stimmt, die Natur und ihre Gewalten können mächtig und zerstörerisch sein. Ganze Bergteile können abbrechen und Stürme können eine ganze Landschaft prägen. Es gibt aber auch die Kleinen und manchmal fast unscheinbaren Phänomene, die zum Staunen und Träumen anregen. Hier mal einen Lobpreis an die Schöpferin – ein bildhaftes Gebet.

Sich aufs Gebet setzen

Der Titel ist ja schlicht „Ein Parcours von Bank zu Bank“, vgl. www.civic-city.org/linguas. Auf Bank 15 ist mein Lieblingsgebet von Anton Rotzetter geschrieben; zusammen mit einem Gedicht von Daniela Huwyler. Kommentar auf dem Prospekt:

Ja, die Liebe – auch, die Zeichen! Die Liebe wird auf dieser Bank zweistimmig beschworen, in einem leibhaftig lebendigen und göttlichen Sinn.

André Vladimir Heiz’ ist der Künstler und er kam im Vorfeld einige Male bei mir vorbei und wir suchten nach „Reisen zwischen den Sprachen“. Andere Bänke, die mit mir zusammen entstanden sind, lassen sich in Rapperswil-Jona finden.

Eine Welt voller Dornbusch-Situationen

Der Brombeerbusch

Die Erde ist mit Himmel vollgepackt,
ein jeder gewöhnliche Busch brennt mit Gott. –
Aber nur der, der es sieht, zieht die Schuhe aus.
Die anderen sitzen herum und pflücken Brombeeren.

Elizabeth Barrett Browning ,The Poetical Works, New York 1910

Earth’s crammed with heaven;
And every common bush afire with God;
But only he who sees, takes off his shoes,
The rest sit round it and pluck blackberries.