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Auferstehung staunend erleben

03. April 2026

cap! Das Magazin der Kapuziner Frühling 2026 Die Auferstehung des gekreuzigten Jesus durch Gottes Kraft ist ein Geheimnis jenseits unseres Horizontes. Wie kann ich mir davon ein Bild machen? Ein österlicher Impuls.  

Jedes Jahr feiern wir Geburtstag; doch geboren worden sind wir alle nur einmal. Mag sein, dass das Erwachen am Morgen in unserer Erfahrung etwas mit einer Neugeburt zu tun hat, aber sie ist keine Geburt. Vielleicht ein Hinweis aufs Geboren-werden. Auch die jährliche Geburtstagsfeier ist keine Geburt, sondern eine Erinnerung an unsere Geburt vor Jahren, sowie ein Indikator meines Alters, meines Alterns.  

Ebenso verstehe ich das jährliche Oster-Fest als eine Erinnerung an das Auferstanden-Werden des gekreuzigten Jesus von Nazareth durch Gottes Kraft. Wir wissen, was Leben ist, und wir wissen auch einiges über das irdische Leben von Jesus von Nazareth, aber was es heißt, beim „Vater“ zu sein oder in der „Gegenwart Gottes“ zu leben, auferstanden zu sein, das ist und bleibt ein Geheimnis jenseits unseres Erfahrungshorizontes oder meiner Vorstellungen; eben ein Geheimnis. Selbst eine Nahtod-Erfahrung geht nicht über die Schwelle zum Neuen Leben. Sie nähert sich vielleicht einem Licht, einer Verwandlung. Aber was kommt nach dem Licht? 

Neugierige Menschen – und als solchen sehe ich mich – möchten mehr wissen. Und man kann die Bibel öffnen und findet viele wunderbare Erzählungen von Menschen, die dem Auferstandenen begegnet sind; und auch spannende theologische Kommentare dazu. Doch eine Antwort, was es heißt, auferstanden zu sein, habe ich nicht gefunden. Es bleiben vermutlich das Staunen und das betroffen werden, zwei Erfahrungen, wie sie den Freundinnen und Freunden Jesu, die dem Auferstandenen begegnen durften, eigen sind. Sie waren noch nicht selber auferstanden, sondern sind erst einmal als irdische Menschen dem Auferstandenen begegnet. 

In der Kunst durfte ich eine spannende Entdeckung machen: Manchmal ist auf Bildern bei der Krippe ein Schmetterling beigefügt. Das wunderschöne zerbrechliche Tier ist ein Hinweis auf die Auferstehung und ist, wenn es nun wirklich Vorstellungen zur Auferstehung braucht, für mich das ideale Vorstellungs- und Meditationsobjekt: Raupe – Puppe – Schmetterling / Leben – Tod (Wandlung) – Auferstehung. 

Dabei sind für mich Erfahrungen dieses Raupen-Puppe-Schmetterling-Prozesses prägend. Man kann im Frühling auf die Suche nach Raupen gehen und diese in einem Aquarium oder in einer Kartonschachtel aufziehen. Einmal habe ich es versucht: Zuerst habe ich gestaunt, was eine Raupe so alles frisst. Ich kam fast nicht nach, mit der Nahrungssuche. Dann plötzlich kommt bei der Raupe der Stillstand mit Essen, aber sie beginnt zu laufen und rennt und rennt und rennt. Schlimmer als ein Mensch in seinem Hamsterrad. So hatte ich die Raupen in meinem Zimmer. Den Schlaf konnte ich direkt vergessen. Lauf grüne Raupe, lauf! 

Plötzlich ist es ruhig. Und ein brauner Kokon hängt an zwei feinen Fäden und das lange Warten beginnt. Hätte man nicht das Wissen oder sogar die Gewissheit vom Schmetterling, man würde den braunen Kokon entsorgen. Er ist eher das Bild des Todes, denn eines filigranen, farbigen Schmetterlings. Plötzlich knackt es und langsam öffnet sich der Kokon. Der Prozess des Schlüpfens wie auch der Körper-Entwicklung brauchen Zeit, Kraft und Geduld. Aber wehe, man passt nicht auf, dann ist der wunderschöne und leichte Geselle in der Luft und weg.  

Ich weiß, auch dieses Prozess-Bild ist nicht vollkommen. Auferstehung hat mit Gott und dessen Wirken zu tun. Doch das Bild eines irdischen, gefräßigen, ruhelosen Lebens, das nach dem Tod oder Übergang zu einem einmaligen Wesen wandelt, das den Himmel bevölkert, begeistert und bestärkt mich im Glauben. Es ist dasselbe Wesen, aber gleichwohl ganz anders. Erst Raupe, dann Schmetterling. Ich bleibe nichtwissend, aber staunend zurück. Welch eine Wandlung. Welch schönes Bild für die Auferstehung des Gekreuzigten! Und so auch ein Bild für dich, für mich, für alle Menschen. 

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