Ich verkünde den Gekreuzigten

Vom 16. bis 28. Februar bin ich wieder mit der Zürcher Telebibel unterwegs. Hier können die Inspirationen heruntergeladen werden. Der Prediger Paulus sieht sich nicht als guten und weisen Prediger; Jesus Christus wird als der Gekreuzigte verkündet und Fasten meint primär einmal Gerechtigkeit. Da scheint die Bibel völlig aus der gegenwärtigen Welt der Erfolgreichen, Mächtigen und Egomahnen herauszufallen. Und trotzdem, je mehr ich mich mit diesen biblischen Gedanken auseinandersetze, desto mehr gefallen sie mir. Ja, sie sagen etwas in meine, in unsere Lebenssituation hinein. So kann ich mich selbst mit dem Gekreuzigten einigermassen versöhnen.
Ach ja, das müsste eigentlich nichts Neues sein. Schon Hans Küng erzählte vor fünfzig Jahren davon, dass sich die Jünger und Jüngerinnen nach der Kreuzigung Jesu von Nazareth zurückzogen, Gott aber dann Neues schuf - und dieses Neue uns bis heute faszinieren kann. Aber bis heute hat sich Gott selber nicht als der Mächtige, Umstürzlerische geoffenbart. Vielleicht als derjenige, der stets neu Leben ermöglicht und schafft.
Wahrnehmen und wirken

Gottesdienst vom 8. Februar 2026; 1. Kor 2,1-5; Mt 5,13-16
Einleitung/Bussakt: Am 3. Februar, am Dienstag der letzten Woche, wurde eine kirchliche Medienmitteilung zur erfolgreich abgeschlossenen Pilotphase der Assessments bzw. der psychologischen Eignungsabklärungen für Priesteramtskandidaten und Seelsorgende veröffentlicht. Das scheint mir eine wichtige kirchliche Meldung zu sein. Die römisch-katholische Kirche ist und bleibt auf dem Weg. Auch ich bin vor 35 Jahren ohne psychologische Eignungsabklärung Kapuziner geworden. Einen medizinischen Gesundheitscheck des Hausarztes musste ich jedoch bringen!
Missbrauch begleitet unsere Kirche und wird uns noch einige Male aufschrecken. Die letzten beiden Perspektiven-Sendungen vom 24. Januar 2026 und vom 1. Februar 2026 nahmen das schwierige Thema wieder auf. Medien sollen dranbleiben. Das finde ich gut. Im Begleittext der Sendung ist zu lesen: Über sexuellen Missbrauch zu sprechen ist nie leicht. Nein, das ist es nicht. Und trotzdem ist es wichtig darüber zu sprechen und nicht zu schweigen! Irgendwie bekomme ich den Eindruck, dass die heutige Lesung und das Tagesevangelium uns ermutigen gut hinzuschauen und selbstkritisch nachzufragen. Wir wollen diesen Ball aufnehmen und nach unserem Glauben und nach unserer Theologie fragen. Aber zuerst einmal auch auf die kirchlich nicht nur schöne Realität zu schauen, wie es in einem katholischen Gottesdienst üblich ist.
Gott, es waren auch Kapuziner, die Missbrauch verübt haben und Brüder der Leitung, die Missbrauch verharmlost und nicht ernst genommen haben. Herr, erbarme dich.
Gott, die neuesten Aufdeckungen in Altdorf zeigen, dass auch weltliche Behörden weggeschaut und nicht gehandelt haben. Missbrauch hat auch eine gesellschaftliche Komponente. Christus, erbarme dich.
Gott, viele von uns – und da zähle ich mich dazu – haben die Betroffenen lange zu wenig oder nicht wahr- und ernstgenommen. Herr, erbarme dich.
Gott, wir haben zur Eröffnung gesungen “Tauet, Himmel, aus den Höhn, tauet den Gerechten; was verdorrt ist, blühe auf unter seinem Segen. …“ Gott, komm und erfülle uns mit deiner Gegenwart, lass uns neu werden und dem Leben, der Gerechtigkeit und dem Frieden dienen. Schenke uns Kraft zum ehrlichen Hinsehen und entsprechendem Handeln. Amen.
Predigt:
Es ist menschlich und modern, sich im Erfolg zu sonnen, grossartig zu sein. Dazu schaue ich nicht nur nach Amerika. Interessanterweise ist das auch nicht die Absicht eines Paulus. Er sagt: Ich kam nicht zu euch, Schwestern und Brüder, um glänzende Redenoder gelehrte Weisheitvorzutragen, sondern um euch das Geheimnis Gotteszu verkünden. (1 Kor 2,1) Es geht um ein Ringen um Gottes Liebe und sein Anderssein. Paulus beabsichtigt nicht den Erfolg. Auch von Jesus Christus spricht Paulus nicht vom erfolgreichen Verkündiger und Heiler, sondern vom Gekreuzigten und durch Gottes Kraft zum Leben erweckten Hingerichteten. Gewandte und kluge Reden helfen ihm, helfen uns existenziell oft nicht weiter.
Gerne zitieren wir Christen aus dem Matthäus-Evangelium « Ihr seid das Salz der Erde.» sowie « Ihr seid das Licht der Welt» und vergessen darüber gerne, dass dies jeweils erst der Start zu einem Jesuswort ist: « Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr, ausser weggeworfen und von den Leuten zertreten zu werden.»
Die römisch-katholische Kirche hat in den letzten Jahren vieles an ihrer Glaubwürdigkeit verloren. Manchmal habe ich den Eindruck, dass aus der Anklägerin eine Angeklagte geworden ist. Ob die Exponenten das merken? Diese Woche war wieder zu lesen: «Papst bezeichnet Abtreibungen als «Zerstörer des Friedens» - Schweizer Frauenbund hält entgegen.» «Der Frauenbund Schweiz betont, dass Frieden nicht durch die Kriminalisierung von Frauen entsteht.»
Nein, ich möchte jetzt nicht zum Schwangerschaftsabbruch predigen. Mich interessiert das Salz der Erde und das Licht der Welt. Was kann das uns heute sagen? Das Evangelium fordert die Lampe in die Höhe zu stellen, damit das Licht auch leuchtet. Für mich ist das eine Einladung zuerst einmal genau hinzusehen. Dabei spricht der Evangelist Matthäus davon, dass das Licht allen im Haus leuchten soll. Das heisst doch zuerst einmal, das Dunkel in meiner Umgebung zu sehen, wahrzunehmen. Das ist nicht ein Blick in die Ferne, zum Fremden, zum anderen. Ja, oft ist es leichter sich über die anderen zu ärgern und herzuziehen, als sich selber und sein eigenes Umfeld kritisch zu betrachten.
Jesus sagt in der Feldrede oder in der Bergpredigt: «Was siehst du den Splitter in deines Bruders Auge, aber den Balken im eigenen Auge nimmst du nicht wahr?» Da frage ich mich schon, welche Balken habe ich vor meinen Augen, und welche Balken haben katholische Repräsentanten vor ihren Augen? Die Medienforschung zeigt eindeutig, dass wir gerne über die uns fernen Menschen lästern. «The Nearer, the Better»; je näher, desto positiver eine Nachricht, so habe ich in der Zeitungsanalyse gelernt und das in einer Seminararbeit für drei Schweizer Zeitungen nachgewiesen. Hätte ich das nicht selber gemacht, ich hätte es nicht geglaubt. Je weiter entfernt geografisch die Meldungen sind, desto schlechter, negativer die Berichterstattung. Ach ja, wenn mich jeweils die Negativ-Schlagzeilen belasten, dann lese ich eine Zeitlang nur noch Lokalnachrichten. Da begegnet mir mehr heile Welt als in der medialen weiten Welt!
Was bedeutet es Salz der Erde zu sein? Interessanterweise sieht man das Salz in der Suppe nicht, auch kann man es nicht visuell feststellen, ob ein Essen gut gesalzen oder schon versalzen ist. Im Bildwort geht es interessanterweise nicht um die versalzene Suppe, sondern um Salz, das seinen Geschmack verliert und so nicht mehr geniessbar ist.
All die Missbrauch-Skandale haben mir zugesetzt und mich auch verändert. Nein, es geht mir nicht mehr so leicht, mich als Christ, vor allem als Katholik zu outen. Ich möchte doch zu einer prophetischen Kirche gehören, und nicht zu einer zu einer Missbrauch schützenden Gemeinschaft. Das lädt ein, sich zurückzuziehen. Doch, vielleicht sollte ich wieder etwas mehr «Salz der Erde» werden. Nein nicht versalzen, aber doch geschmackvoll mich für Gerechtigkeit und Frieden, Leben fördernden Glauben einzusetzen. Und da gäbe es viele Übungsplätze dazu. Gerechtigkeit und Frieden werden nicht nur in der Ferne, aber auch in meiner Nähe verletzt. Habe ich da den Mut für den Schwachen, für die an den Rand gedrängte Person einzustehen. Es gibt überall, wie beim Missbrauch auch, oft Täter und Opfer. Interessanterweise war Jesus von Nazareth vor allem heilsam und befreiend unterwegs. Schranken hat er zwar auch formuliert, hat Nächstenliebe und Feindesliebe gefordert. Jesus hatte primär Augen und eine Botschaft für die Opfer, nicht für die Täter, die bösen Machthaber, Missbraucher.
Im letzten Jahr ist mir wichtig geworden, dass der Jude Jesus zu einem unterdrückten und kriegsversehrten Volk gehört hat, an den Rändern, an der Peripherie des römischen Weltreiches. Ich weiss, gelebt habe ich vier Jahre in Rom und habe da vor allem die Sicht der Römer, der Sieger, der Erfolgreichen, der Unterdrücker, der Mörder genossen. Das darf man nicht vergessen, wenn man durch Rom wandert. Franz von Assisi hat seinen Glauben übrigens in verfallenen Kirchen und unter Aussätzigen, Ausgestossenen gefunden. Da geht es nicht um eine Theologie der Sieger, sondern um Gemeinschaft mit den Randständigen, Ausgeschlossenen. Licht sein und Salz sein, sind die Stichworte des heutigen Evangeliums. Dazu wünsche ich uns viel Kraft, Ausdauer und Freude. Amen.
Königinnen-Treffen

Predigt vom 18. Januar 2026 im Zusammenhang mit dem Projekt „Würde wandert“, respektive www.wuerde-unantastbar.ch; 1Kor 1,1-3; Joh 1,29-34
Einleitung nach dem Einzug:
Liebe Könige, liebe Königinnen im Wesemlin
In diesen Tagen wird Luzern von speziellen König:innen besucht – und eine dieser 16 Figuren ist heute hier in der Kapuzinerkirche im Wesemlin zu Gast. Das Thema dieser Kunstaktion ist „Würde unantastbar“.
Wie viel Würde kommt einem Menschen zu – vom anderen, von anderen, vom Göttlichen? Und wie viel bleibt im Verborgenen? Die König:innen-Figuren von Ralf Knoblauch, Diakon und Holzbildhauer, sind ein möglicher Antwortversuch. Die König:innen stehen für die Würde, die alle Menschen in sich tragen, auch du und ich. Sie erinnern, mal laut, mal leise, mal imposant, mal unscheinbar, dass die Würde unantastbar ist.
Ja, auch unsere Würde ist unantastbar. Heute kommt die Königin vom Spital Luzern zu uns und geht dann weiter zur Factory der Heilsarmee. Der Spital-Seelsorger Gerald Virtbauer-Ohashi hat sie uns gebracht und auf den Altar gestellt. Vielen Dank! Darum zuerst einige Fragen an ihn …
Predigt: Liebe Getaufte, Christen und Christinnen
Woher kommt uns gläubigen Menschen Würde zu? Bei Paulus hören wir, durch unsere Berufung durch Gott „Paulus, durch Gottes Willen berufener ApostelChristi Jesu» 1. Joh 1,1, sowie unsere Heiligkeit «die Geheiligten in Christus Jesus, die berufenen Heiligen» 1. Joh 1,2. So hörten wir es in der Lesung.
Im Moment hat ein Film, besser eine Serie viel Erfolg. Der Titel ist „The Chosen“, zu Deutsch „Die Erwählten“. Der Film schaut aus der Perspektive von Freunden und Freundinnen Jesu auf das Leben Jesu. Im Zentrum des Filmes stehen die durch Jesus von Nazareth berufenen Menschen, die einen Blick auf ihre Zeit vor 2000 Jahren und auf das Wirken von Jesus werfen. Ich finde es spannend und wichtig, auf die Menschen, auf die damals berufenen Menschen zu schauen und sich selbst auch als heute berufener Mensch wahrzunehmen. Mag sein, liebe Gottesdienstfeiernde, dass Sie auch Kirchensteuern bezahlen – und das finde ich gut und wichtig – aber zuerst einmal sind auch Sie von Gott gewollte, geschaffene und berufene Menschen und nicht lukrative Steuerzahlende. Gott gibt uns allen eine unabdingbare Würde. Dazu wünsche ich uns immer wieder neu eine gute Erinnerung und das entsprechende Bewusstsein. Kopf hoch also!
Paulus geht noch einen Schritt weiter. Er spricht von den berufenen Heiligen. Lange hatte ich mit Heiligkeit so meine Probleme. Hallo? Ich fühle mich nicht als heilig und bin ja auch nicht heiliggesprochen durch einen langen Prozess der katholischen Kirche. In der Lektüre der Texte von Franz von Assisi habe ich aber ein anderes Bild der Heiligkeit erhalten. Heiligkeit ist ein Geschenk Gottes an uns und muss ich mir nicht selbst erarbeiten oder verdienen. Darum schreibt Paulus von „die Geheiligten in Christus Jesus». Das verstehe ich bei Paulus als ein Geschenk Jesu Christi. Auch das gehört nach der heutigen Lesung zur unantastbaren Würde in Jesus Christus.
Wir haben heute einen Text aus dem Johannes-Evangelium gehört. Es geht ums Taufen. Johannes tauft mit Wasser und Jesus mit Geist. Dem Evangelisten Johannes fehlt ein Taufbericht, wie wir ihn in den Evangelien eines Markus, Lukas oder Johannes finden. In der Erwachsenenbildung habe ich früher gerne aus unterschiedlichen Jesusfilmen die Tauferzählungen gezeigt und uns nach ihrer Theologie gefragt. Ob Gospelmusik wie bei Pasolini, klassische Musik oder Rock’n’Roll unterlegt ist, das gibt der Film-Szene eine ganz andere Stimmung.
Die schreibenden vier Evangelisten haben nicht unterschiedliche Musik, aber unterschiedliche Theologien der Begegnung zwischen Jesus und Johannes unterlegt. Dem Markus ist klar, dass auch Jesus die Sündentaufe erhalten hat. Der Matthäus zeigt schon klar, dass das nicht geht. Bei Matthäus lesen wir „13 Zu dieser Zeit kam Jesus von Galiläa an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen. 14 Johannes aber wollte es nicht zulassen und sagte zu ihm: Ich müsste von dir getauft werden und du kommst zu mir? 15 Jesus antwortete ihm: Lass es nur zu! Denn so können wir die Gerechtigkeit ganz erfüllen. Da gab Johannes nach“ (3,13-15). Im heute gelesenen Johannes-Evangelium fehlt ein eigentlicher Taufbericht Jesu durch Johannes den Täufer. Dieselbe Situation wird unterschiedlich wahrgenommen und beschrieben. Diese zu formulieren gehört meines Erachtens auch zur menschlichen Würde. JedeR ein Individuum!
Würde ist unantastbar, ist die Botschaft unserer König:innen-Figur. Damit können wir spirituell unterschiedlich umgehen, ging mir bei der Meditation der Begegnung von Johannes und Jesus auf. Dogmatisch gesehen ist Jesus ganz Mensch und ganz Gott. Doch bringen wir Menschen das nicht zusammen und stehen in der Gefahr, in Jesus von Nazareth nur Gott zu sehen und sein Menschsein nicht ernst zu nehmen. Oder manchmal auch das Gegenteil. Die Theologiegeschichte ist ein gutes Beispiel dafür. Doch – finde ich – es ist wichtig, Jesu Menschsein ernst zu nehmen. Denn auch seine menschliche Würde scheint mir unantastbar zu sein. Erst so komme ich zu der befreienden Erfahrung, dass auch die Würde meines, unseres Menschseins unantastbar ist.
Etwas aktualisierend möchte ich da hinzufügen: Diese Würde ist nicht nur einigen alten, mächtigen Männer eigen, sondern allen Menschen, weil sie nach Paulus berufen und geheiligt sind. Und diese Würde darf und soll mein Leben, Ihr Leben und aller Menschen Leben unantastbar prägen. So kann und will ich uns heute symbolisch als Könige und Königinnen ansprechen. Das zeigt und sagt uns diese König:innen-Figur in der Wallfahrtskirche im Wesemlin, die ja auch einer Königin gewidmet ist, der Maria vom Wesemlin. Und so will ich künftig, wenn ich in diese Kirche trete, stets zum Hauptaltarbild schauen, sehen dass da meine Glaubens-Schwester und Freundin eine Krone trägt und mich dabei erinnern, dass wir alle König:innen sind, und dass ihre und unsere Würde unantastbar ist. Amen.
Vielfalt dank Paulus

Predigt zu Erscheinung des Herrn für franziskanische Leitungspersonen, 4. Januar 2026; Eph 3,2-6; Mt 2,1-12
Liebe Vorstehende, Vorstände und geistliche Assistenten; liebe franziskanische Miterben, liebe (Mit)Glieder der Franziskanischen Gemeinschaft. Vielfalt fordert uns heraus und ist für gelebte Geschwisterlichkeit eine echte Aufgabe. Inhaltlich ist Vielfalt im christlichen Leben nichts Neues. Schon Paulus hatte für sie zu kämpfen. Im Epheserbrief sagt er dies seinen jüdischen Geschwistern nicht zimperlich: die Heiden sind Miterben und gehören zum denselben Leib (3,6-7). Miterben finde ich einen sehr starken Ausdruck für Fremde, Heiden, Nicht-Juden, die Anderen – andere sprächen von Ausländern und Migranten. Nicht einmal der Jude Jesus hatte zu Lebzeiten wie Paulus gedacht und gehandelt. Jesus von Nazareth fühlte sich zuerst einmal für sein jüdisches Volk gesandt. Paulus war eben der vom Geist berufene Heiden-Apostel. Und dank der Vielfalt der Völker, welche Paulus einfordert, können auch wir Helvetier, Schweizer, Miterben, unbeschnittene Christen und Christinnen sein.
Die Leibmetapher des Paulus ist ein sehr schönes Bild. Kirche als Leib mit vielfältigen Körperteilen und Organen beinhaltet Vielfalt. Für uns franziskanische Menschen bedeutet Teilhabe am franziskanischen Leib, gemeinsam zur selben Bewegung zu gehören und vielfältige Gaben einzubringen. Schon Franz von Assisi musste von einigen seiner Idealen Abschied nehmen, um der Vielfalt seiner Bewegung Rechnung zu tragen. Franziskus ging sogar so weit, dass er nach der Rückkehr aus dem heiligen Land seine Leitungsfunktion abgab, um sich intensiver seiner spirituellen Aufgabe zu widmen – innerhalb und ausserhalb seines Ordens. In der franziskanischen Bewegung gibt es unterschiedliche Glieder, Gaben, Charismen und Aufgaben. Franziskus sah sich nicht zur Leitung berufen und übergab diese Aufgabe mehreren Menschen. Welch eine Demut und Einsicht! Und schaut man sein Bild vom vollkommenen Bruder an, dann besteht dieses Bild für Franz von Assisi aus zehn Brüdern (Bernhard, Leo, Angelus, Massäus, Ägidius, Rufinus, Juniperus, Johannes, Rogerius, Lucidus) und ihren Fähigkeiten und Charaktereigenschaften! (Vgl. Spiegel der Vollkommenheit 85, FQ 1285-1286). Einfach genial! Man muss seine Geschwister also gut kennen.
An Erscheinung des Herrn feiern wir die zweite Weihnachten und fühlen uns besonders mit den Ostkirchen verbunden, die Anfang Januar ihre echten Weihnachten feiern. Im Festtagsevangelium geht es um die Sterndeuter, die aus dem Osten nach Jerusalem kamen. Also sicher nicht Juden und keine Zugehörige vom Volk Israel. An der Krippe begegnet uns im Matthäus-Evangelium schon die Vielfalt der Völker und der Menschen.
Bei Matthäus hörten wir: «Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr grosser Freude erfüllt. Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm» (Mt 2,10-11). Interessanterweise fanden die Weisen nicht direkt zum Jesuskind. Warum nicht?
Die Weisen erwarteten das Heil, den neuen König in einem Palast, bei Reichen und Mächtigen. Erst als sie wieder ihrem Stern und später ihrem Traum Beachtung schenkten und vertrauten, fanden sie auf den Weg zur Krippe und in ihre Heimat zurück. Auf dem Weg zur Krippe muss man weder auf Könige noch auf Schriftgelehrte und Hohenpriester achten – auch wenn Theologen manchmal auch Wichtiges zu sagen haben. Die drei Weisen mussten gemeinsam (das scheint die erste franziskanische Bruderschaft zu sein?) auf den Stern schauen, um die Krippe zu finden. Auch mussten sie ihre Vorstellungen in Frage stellen und wegwerfen. Nicht in Palästen und nicht militärisch geschützt findet sich das Heil, sondern draussen im Stall, bei Menschen, die unterwegs sind, finden wir das Kind in der Krippe. Ein Thema, das mich heute sehr beschäftigt. Frieden und Gewalt unter uns Menschen? Wie geht das? Aber nicht naiv! Weder die Weisen noch Josef handelten dumm, sondern mit Gottes Hilfe überlegt!
Ich weiss nicht, wie viele Nächte Maria, Josef und Jesus im Stall in Bethlehem gehaust haben. Kaum angekommen, hat Maria geboren, und bald musste die Familie weiterziehen, ja vor der drohenden Macht fliehen. Josef war achtsam auf seine Träume, wie es auch die Weisen waren. Mir kommt die franziskanische Itineranz in den Sinn und ich lande bei Paulus, der durch Veränderung unser Christsein erst ermöglichte. Könnte es nicht bequemer und gemächlicher sein?
Interessanterweise haben wir im Evangelium eine Vielfalt der Träume. Und diese Vielfalt war wichtig. Die Weisen träumten von einem anderen Weg als dem geplanten Besuch bei Herodes. Josef träumte vom Aufbruch, von Flucht und Sicherheit in einem fremden, unbekannten Land. JedeR muss seinen Traum auch leben. Lebensgeschichten sind farbig und persönlich.
Liebe Miterben, franziskanische Brüder und Schwestern, vielleicht ist es an der Zeit, auch selbst wieder einmal auf unsere vielfältigen Träume zu achten, sich diese gegenseitig auch anzuvertrauen und vor allem zu leben. Das könnte unserem geschwisterlichen Leben und Zeugnis Impulse und Farben auf den Weg geben. Vielleicht hat der heutige Tag solch gemeinsames Träumen ermöglicht. Ich hoffe es. Oft sind Träume, nicht nur fremde Träume, eine Herausforderung. Die Träume der Weisen und von Josef zeugen von keinem gemütlichen Leben. Die Sterndeuter aus dem Osten und die heilige Familie wurden durch ihre Träume herausgefordert und auf den Weg, auf unerwartet andere Stecken gesandt. Einen guten Weg und viel Mut uns und unseren Gemeinschaften im Segen Gottes, das wünsche ich mir heute, ganz besonders. Amen.
Frieden für alle Menschen

Vom 16. bis 31. Dezember bin ich wieder bei der Telebibel Zürich unterwegs. Dabei begleiten mich Jesaja und die vier Weihnachtsgeschichten. Interessanterweise erzählen ja nur Lukas und Matthäus in der Bibel Weihnachtsgeschichten. Markus, Lukas und Paulus schweigen darüber. Und trotzdem gibt es zwei weitere Weihnachtsgeschichten in Heiligen Büchern: In den Suren 3 und 19, im Koran findet man sie. Spannend!
Ein kleines Beispiel: Die Stammbäume sind bei Matthäus und Lukas unterschiedlich verortet und gesetzt. Für den Judenchristen Matthäus ist es wichtig, dass im Stammbaum Jesu Abraham und David wichtig sind. An Adam denkt er gar nicht. Für den Heidenchristen Lukas kommt Abraham schon gar nicht vor. Wichtig ist ihm der Beginn bei Adam, der die Verknüpfung von allen Menschen zu Gott hin gibt. Jesus ist für Lukas Adams-Sohn, was übrigens auch in Sure 3,59-64 des Korans ein wichtiges Erzählmotiv ist. Denn so wird Jesus zum Friedensfürst für alle Menschen.
Eine Lebensphase entfaltet sich

Aus ITE 2025/4, Umworbene Senioren und Seniorinnen
Menschen in der Schweiz werden in den letzten Jahrzehnten immer älter. Hinzu kommt, dass Menschen in der Schweiz auch im Alter oft lange gesundheitlich recht gut in Form sind. Alter bedeutet nicht nur Leiden und Einschränkungen, sondern oft auch Gesundheit, finanzielle Unabhängigkeit und viele Freiheiten. Eine Auslege-Ordnung.
Adrian Müller
Als ich vor bald dreissig Jahren Erziehungswissenschaften studierte, da war es unbestritten, dass die meisten entwicklungspsychologischen Bücher entlang der acht Stufen der psychosozialen Entwicklung von Erik H. Erikson und Joan Erikson aufgebaut waren. Stadium 6 ist das frühe Erwachsenenalter, Stadium 7 war das Erwachsenenalter und Stadium 8 das reife Erwachsenenalter. «Ich bin, was ich mir angeeignet habe.» war der Merksatz fürs reife Erwachsenenalter.
Eriksons Modell ist diskutiert
Doch schon damals wurde dieses Modell vor allem in den Medienwissenschaften heiss diskutiert. Das reife Erwachsenenalter hat auch viele Chancen, und man kann das Alter nicht nur auf Rückblick und Vorschau auf den Tod begrenzen. Reife Menschen sind häufig interessierte, gut zahlende und kritische Mediennutzer. Und darum für Zeitungen und Fernsehen eine wichtige Zielgruppe – Rezipienten und Rezipientinnen in der Mediensprache.
Gerne wurde damals auch darüber nachgedacht und behauptet, dass jüngere Generationen besser mit Medien umgehen können. Und Senioren und Seniorinnen gerieten eher im Verruf, mit den neuen Medien überfordert zu sein. Doch was sagen aktuelle Medien-Untersuchungen? «Seniorinnen und Senioren gehen reflektierter online», so fasst Julius Tanner von SRF neueste Forschungsergebnisse zusammen. Und: «Ältere Menschen nutzen Smartphones deutlich zielgerichteter als jüngere», zitiert er Florian Fischer, Gesundheitswissenschaftler an der Hochschule Kempten.
Zusammenfassend resümiert Julius Tanner: «Die Forschung zeigt: Seniorinnen und Senioren sind keineswegs digitale Nachzügler. Sie nutzen Smartphones zwar oft anders als die jüngere Generation – aber gezielter, bewusster und mit Fokus auf das Wesentliche.» Vor zwanzig Jahren wäre er für eine solche Aussage vermutlich von den meisten Medienwissenschaftler:Innen ausgelacht worden!
Die drei Altersphasen
Vor drei Jahren durfte ich ein zweijähriges Zusatzstudium in «Altersseelsorge in Heimen und Gemeinden AWS» absolvieren. Dabei lernte ich das achte Stadium von Erikson, das reife Erwachsenenalter, in drei Phasen einzuteilen – und das macht meines Erachtens Sinn. Das reife, dritte Erwachsenenalter beginnt um die Periode der Pensionierung. Darin gibt es zuerst meistens ein autonomes Alter, das in ein fragiles (zerbrechliches) Alter wechselt und manchmal in das kurative Alter – mit pflegerischer Unterstützung – übergeht. Natürlich kann man solche Phasen nicht mit genauen Altersangaben versehen. Dazu sind Menschen zu unterschiedlich.
Für viele Menschen ergibt sich mit der Pensionierung eine klare Grenze und eine neue Lebenssituation. Interessanterweise begegne ich in letzter Zeit häufig Menschen um die 70, die noch keine Lust haben, mit der Lohnarbeit aufzuhören. Auch die Politik möchte das Pensionsalter erhöhen. Selbst diese Alters-Grenze ist heute nicht mehr klar. Ehrlicherweise gibt es heute aber auch jüngere Menschen, die schon früher unfreiwillig aufhören müssen, weil sie beispielsweise körperlich ausgelaugt oder psychisch angeschlagen sind. Und ab fünfzig wird es immer schwieriger, Arbeit zu finden und zu bekommen, wenn man sie verloren hat.
Gedenken an Gebhard

Lebenslauf für den Auferstehungsgottesdienst, 23. September 2025
Ich habe einen Lebenslauf für Gebhard zusammengestellt. Gebi hat selbst einen geschrieben – und diesen habe ich gestern unter die Todesanzeige auf die Homepage kapuziner.ch gestellt. Sie können Gebhards Meinen Lebenslauf in Ruhe zu Hause geniessen und verkosten. Gebhard schrieb: «Der folgende Lebenslauf möge meinen Todesanzeige-Verfasser und den ‘Nachrufer’ entlasten. Es sei ihm erlaubt wegzulassen, was in seinen Augen nicht mehr passt oder zu ausführlich ist, und er kann eigene Erinnerungen an mich und an mein Wirken hinzufügen.»
Eigene Erinnerungen an Gebhard habe ich, wie Sie wohl auch. Hinzu kommt, dass ich es als mein Privileg betrachte, Gebhard zu würdigen und auch noch einiges klären zu können. So waren beispielsweise einige von ihnen erstaunt, dass Gebhard in Schwyz beerdigt wird. Sein Kapuzinisches Heimatkloster war vermutlich Sursee und am Längsten – sechs Jahre Gymnasium, viele Jahre als Lehrer und später noch sechs Jahre als Guardian – verbrachte Gebhard in Stans. Und auch Luzerner:innen sind mich angegangen: Wo bleibt denn Luzern? Und hier stehe ich in der Klosterkirche Schwyz, wo Gebi als Guardian wirkte.
Letzten Frühling kam Gebhard zu mir aufs Guardianat und lud mich auf den Schwyzer Friedhof ein. Hier wünsche ich eines Tages beerdigt zu werden, sagte er mir. Der Entscheid des Ortes der Bestattung wird bei uns Kapuzinern nach dem Tod des betroffenen Mitbruders im Gespräch mit dem Provinzial gefällt. So diskutierten wir Gebhards Wunsch mit Bruder Benno, unserem Provinzial, Marzell, dem aktuellen Guardian, und Benno willigte in Gebhards Wunsch ein. Darum feiern wir hier in Schwyz den Auferstehungsgottesdienst und nicht in Stans, Luzern oder an einem anderen Ort. Zähle ich Gebis kapuzinischen Lebensorte, dann komme ich auf zehn. Nehme wir noch das Willisau seiner Kindheit und Frauenfeld seines Militärdienstes hinzu, dann sind es zwölf.
Prägend waren für Gebhard ein Leben lang seine älteren Schwestern. Gebhard war das zweitjüngste Kind unter acht Brüdern und sechs Schwestern. Schmerzlich war für den neunjährigen Knaben der Tod seiner 49jährigen Mutter. Zitat: Zum Glück konnten meine älteren Schwestern mir und uns allen die verstorbene Mutter etwas ersetzen. Als Gebhard im Sterben lag war seine ältere Schwester Marta und ihre Tochter Daniela oft bei Gebhard präsent. Danke für die Präsenz.
Als 15jähriger ging Gebhard fürs Gymnasium nach Stans ins Kapuziner-Kollegium St. Fidelis, wo er später viele Jahre selbst unterrichtet hat. Nach Militär (Artillerie-Kanonier) und Matura ging er auf eine franziskanische Wallfahrt und dann ins Noviziat zu den Kapuzinern. Unser Mitbruder und mehrmaliger Hausgenosse von Gebhard, Thomas-Morus Huber, erinnert sich: Sigi Müller, Gebi, Isidor und ich haben 1963 unsere erste Profess abgelegt. Wir galten als Katastrophennoviziat. Seit Menschgedenken gab es in unserer Provinz jährlich 10 bis 20 Einfachprofessen. Und nun nur vier – zum Vergleich: Vor zwei Jahren gab es in Frankreich nach vielen Jahren ohne Novizen, deren drei. Das wurde in der Kapuzinerwelt als die grosse Wende in Frankreich gefeiert. Katastrophen haben einiges mit ihrem Umfeld und ihrer Deutung zu tun. Des Weiteren erinnert sich Thomas Morus: Gebhard gehörte zu den Hühner- und Küngelizüchtern. Praktisches lag Gebhard am Herzen.
Zu Beginn seines Ordenslebens wechselte Gebhard seine Lebens- und Ausbildungsorte sehr schnell: Stans, Solothurn, Wil SG, Näfels, Paris, Fribourg und wieder Stans, wo er von 1975 bis 1998 blieb und wirkte. Gebhard erinnert sich: Im Alter von 33 Jahren konnte ich anfangs September 1975 meinen ersten Einsatz im Kloster in Stans und am Kollegium St. Fidelis und beginnen. 1992 habe ich den Schuldienst endgültig aufgegeben, weil ich für 6 Jahre zum Guardian daselbst berufen wurde. Während ich auf den Schulunterricht gut vorbereitet war, half mir nur das Vorbild von guten Guardianen, dieses Amt zu übernehmen und auszuführen. Das letztere kennen wohl viele Guardiane und Neu-Guardiane, aber ich denke auch Eltern. Für den Beruf topp gebildet, für die Gemeinschaftsarbeit in den Regen gestellt. Zum Glück scheint nach dem Regen oft die Sonne! Gebi leitete umsichtig und aufmerksam – so ist meine Erfahrung.
Gebhard schreibt zu seinen Jahren in Stans: In diesen Jahren wurde Nidwalden mit seinen lebensfrohen Menschen meine zweite Heimat. In einem längeren Gespräch erzählte mir Gebhard von einer Zeit, da er die Woche durch tagsüber Schüler:innen unterrichtete, nächtens im Internat schaute und am Sonntag in der Umgebung auf Aushilfe ging. Freie Tage waren damals noch nicht bekannt. Von Stans meldete man mir einige weitere Aufgaben von Gebhard: Gymnasiallehrer 1975-1993, Mitglied der Internatsleitung 1978-1988; in Nachfolge von Musikdirektor Alois Koch Übernahme für einige Jahre Dirigent der Kollegi-Blasmusik und für deren Neuinstrumentierung mitbesorgt; zusammen mit Br. Hanspeter Betschart Verantwortlicher des Religion-Foyers 1986-1993; Verwalter der Theatergarderobe; Spiritual am Kapuzinerinnenkloster St. Klara 1992-1998; Präses des Sakristanen-Verband Sektion Nidwalden 1994-1998; Vize-Dekan des Dekanates Nidwalden 1995-1998; mit Br. Damasus Flühler Assistent der Franziskanischen Laiengemeinschaften Nidwalden und Obwalden 1994-1998; Seelsorger im Dekanat Nidwalden, in Büren in Nachfolge von Adelhelm Bünter OFMCap (+ 1995) bis 1998.
Und wo stand die Spiritualität, das Gebet des Vollzeitbeschäftigten? Gebhard schreibt: In der Stanser-Zeit ging ich fast jedes Jahr für eine Woche nach Taizé, mit Studenten oder alleine. Die Gottesdienste mit der Gemeinschaft und den vielen eher jugendlichen Menschen haben mir immer sehr entsprochen. Zweimal hatte ich sogar die Gelegenheit, mit Frère Roger Schutz einige Worte zu wechseln; seine bescheidene Art hat mich tief beeindruckt.
Ich spüre nun die Erwartungen der Luzerner:innen und Schwyzer:innen. Er war doch auch unser Gebhard?! Das stimmt. Hören wir Gebhard im O-Ton: 1998 wurde ich für zwei Jahre nach Brig mutiert. Im Januar 2000 durfte ich in Luzern die Quartierseelsorge Wesemlin übernehmen. Zu Beginn hatte ich grossen Respekt davor, aber mit dem Verständnis der Mitbrüder und der Mithilfe vieler Leute aus dem Quartier wurde mir diese Zeit je länger, je mehr zu einer grossen Freude, die mich sehr befriedigte. Besonders will ich hier die Mitarbeit von qualifizierten und engagierten Frauen hervorheben, von denen ich für die Seelsorge, für die Gestaltung von liturgischen oder weltlichen Feiern viel lernen konnte. Ihnen bin ich bis heute freundschaftlich verbunden. Und in diesem Zusammenhang habe ich einen Traum: es möge bald die Zeit kommen, wo Frauen und Männer gleichberechtigt diakonisch und priesterlich wirken dürfen, im Auftrag und mit dem Segen unserer Kirche! Sind doch beide zusammen das wahre und vollständige Abbild Gottes, von ihm geschaffen!
Nur ungern habe ich Luzern im September 2015 verlassen, um in Schwyz zuerst als Klostermitglied und von 2016 bis 2022 als Guardian zu wirken. Diese anspruchsvolle Aufgabe konnte ich nur dank guter Pflegerinnen und tüchtiger Mitarbeiter zum Wohle unserer kranken und pflegebedürftigen Mitbrüder leisten. Ihnen gilt heute noch mein herzliches ‘Danke schön’! Ihren Einsatz für die pflegebedürftigen Mitbrüder können wir nicht hoch genug schätzen. Im Verlauf der Zeit habe ich mich in Schwyz richtig daheim gefühlt.
Zum Schluss will ich danken – für den ausführlichen Dank Gebhards an viele Menschen verweise ich wieder auf die Homepage kapuziner.org. Doch das Fazit von Gebhard nehme ich gerne wieder auf:
Fazit: Ich habe in allen Kapuzinerjahren versucht, den ‘Willen dessen, der mich gesandt hat’ so gut es geht zu erfüllen. Ich habe keine wissenschaftlichen Höhenflüge unternommen und keine Bücher geschrieben. Jene, die das konnten, habe ich stets bewundert. Nach dem Sprichwort: ‘Schuster bleib bei deinem Leisten’ habe ich versucht, durch praktische Leib- und Seelsorge vielen Menschen zu dienen, sie in ihrem Suchen zu begleiten und in ihrem Glauben zu stärken, wie auch ich durch ihren Glauben gestärkt wurde. Zusammen haben wir versucht zu leben, was Karl Rahner als das Wesen des Glaubens bezeichnet hat: «Die Unbegreiflichkeit Gottes ein Leben lang auszuhalten.» Er möge alles vollenden, was ich begonnen und als Bruchstück zurückgelassen habe. Laudetur Jesus Christus!
Und noch heute können Brüder, Angestellte und Besucher:innen auf der Pflegestation in Schwyz im Gang auf einem Plakat lesen: «Die Unbegreiflichkeit Gottes ein Leben lang auszuhalten.» Dies in Erinnerung an Gebhard, dem Hühner- und Küngelizüchter, dem kreativen Dirigenten und Theaterbesorgten, dem praktischen Leibsorger und Seelsorger oder wie es Thomas Morus formuliert: Die Stärke von Gebis Predigten war die Konkretheit.
Das war nun lang. Ich habe vieles von Gebi, wie auch von anderen ausgelassen. Auch von unseren wunderbaren Luzerner- und Schwyzer-Jahren habe ich eigentlich nichts erzählt. Weggelassen habe ich auch Gebis wichtige Erfahrungen mit dem Zweiten Vatikanum. Gebhard ist ein konkretes Beispiel dafür diese Kirchenreform. Und ich hoffe, dass er nun im Himmel nicht mehr nur vom Priestertum der Frauen träumen muss, sondern dass sie es da oben geschafft haben – vielleicht gibt es ja im Himmel keine Unterscheidung zwischen den Geschlechtern mehr, gar keine Geschlechtsunterschiede, vielleicht? Auch sein franziskanisches Engagement für die Franziskanische Gemeinschaft habe ich nicht gewürdigt. Gebhard war mir stets ein praktischer und zugreifender Unterstützer, sei das als Quartierseelsorger im Wesemlin oder als Patient in Schwyz. Gut, und wie die Luzerner:innen wissen, war Gebi hier auf Erden der bessere Kegler als ich. Ob Gott im Himmel immer noch unbegreiflich ist? Vielleicht hat Gebi gefunden. Amen.