Zum Hauptinhalt springen

Königinnen-Treffen

06. Februar 2026
Königinnen-Treffen

Predigt vom 18. Januar 2026 im Zusammenhang mit dem Projekt „Würde wandert“, respektive www.wuerde-unantastbar.ch; 1Kor 1,1-3; Joh 1,29-34

Einleitung nach dem Einzug:

Liebe Könige, liebe Königinnen im Wesemlin

In diesen Tagen wird Luzern von speziellen König:innen besucht – und eine dieser 16 Figuren ist heute hier in der Kapuzinerkirche im Wesemlin zu Gast. Das Thema dieser Kunstaktion ist „Würde unantastbar“.

Wie viel Würde kommt einem Menschen zu – vom anderen, von anderen, vom Göttlichen? Und wie viel bleibt im Verborgenen? Die König:innen-Figuren von Ralf Knoblauch, Diakon und Holzbildhauer, sind ein möglicher Antwortversuch. Die König:innen stehen für die Würde, die alle Menschen in sich tragen, auch du und ich. Sie erinnern, mal laut, mal leise, mal imposant, mal unscheinbar, dass die Würde unantastbar ist.

Ja, auch unsere Würde ist unantastbar. Heute kommt die Königin vom Spital Luzern zu uns und geht dann weiter zur Factory der Heilsarmee. Der Spital-Seelsorger Gerald Virtbauer-Ohashi hat sie uns gebracht und auf den Altar gestellt. Vielen Dank! Darum zuerst einige Fragen an ihn …

Predigt: Liebe Getaufte, Christen und Christinnen

Woher kommt uns gläubigen Menschen Würde zu? Bei Paulus hören wir, durch unsere Berufung durch Gott „Paulus, durch Gottes Willen berufener ApostelChristi Jesu» 1. Joh 1,1, sowie unsere Heiligkeit «die Geheiligten in Christus Jesus, die berufenen Heiligen» 1. Joh 1,2. So hörten wir es in der Lesung.

Im Moment hat ein Film, besser eine Serie viel Erfolg. Der Titel ist „The Chosen“, zu Deutsch „Die Erwählten“. Der Film schaut aus der Perspektive von Freunden und Freundinnen Jesu auf das Leben Jesu. Im Zentrum des Filmes stehen die durch Jesus von Nazareth berufenen Menschen, die einen Blick auf ihre Zeit vor 2000 Jahren und auf das Wirken von Jesus werfen. Ich finde es spannend und wichtig, auf die Menschen, auf die damals berufenen Menschen zu schauen und sich selbst auch als heute berufener Mensch wahrzunehmen. Mag sein, liebe Gottesdienstfeiernde, dass Sie auch Kirchensteuern bezahlen – und das finde ich gut und wichtig – aber zuerst einmal sind auch Sie von Gott gewollte, geschaffene und berufene Menschen und nicht lukrative Steuerzahlende. Gott gibt uns allen eine unabdingbare Würde. Dazu wünsche ich uns immer wieder neu eine gute Erinnerung und das entsprechende Bewusstsein. Kopf hoch also!

Paulus geht noch einen Schritt weiter. Er spricht von den berufenen Heiligen. Lange hatte ich mit Heiligkeit so meine Probleme. Hallo? Ich fühle mich nicht als heilig und bin ja auch nicht heiliggesprochen durch einen langen Prozess der katholischen Kirche. In der Lektüre der Texte von Franz von Assisi habe ich aber ein anderes Bild der Heiligkeit erhalten. Heiligkeit ist ein Geschenk Gottes an uns und muss ich mir nicht selbst erarbeiten oder verdienen. Darum schreibt Paulus von „die Geheiligten in Christus Jesus». Das verstehe ich bei Paulus als ein Geschenk Jesu Christi. Auch das gehört nach der heutigen Lesung zur unantastbaren Würde in Jesus Christus.

Wir haben heute einen Text aus dem Johannes-Evangelium gehört. Es geht ums Taufen. Johannes tauft mit Wasser und Jesus mit Geist. Dem Evangelisten Johannes fehlt ein Taufbericht, wie wir ihn in den Evangelien eines Markus, Lukas oder Johannes finden. In der Erwachsenenbildung habe ich früher gerne aus unterschiedlichen Jesusfilmen die Tauferzählungen gezeigt und uns nach ihrer Theologie gefragt. Ob Gospelmusik wie bei Pasolini, klassische Musik oder Rock’n’Roll unterlegt ist, das gibt der Film-Szene eine ganz andere Stimmung.

Die schreibenden vier Evangelisten haben nicht unterschiedliche Musik, aber unterschiedliche Theologien der Begegnung zwischen Jesus und Johannes unterlegt. Dem Markus ist klar, dass auch Jesus die Sündentaufe erhalten hat. Der Matthäus zeigt schon klar, dass das nicht geht. Bei Matthäus lesen wir „13 Zu dieser Zeit kam Jesus von Galiläa an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen. 14 Johannes aber wollte es nicht zulassen und sagte zu ihm: Ich müsste von dir getauft werden und du kommst zu mir? 15 Jesus antwortete ihm: Lass es nur zu! Denn so können wir die Gerechtigkeit ganz erfüllen. Da gab Johannes nach“ (3,13-15). Im heute gelesenen Johannes-Evangelium fehlt ein eigentlicher Taufbericht Jesu durch Johannes den Täufer. Dieselbe Situation wird unterschiedlich wahrgenommen und beschrieben. Diese zu formulieren gehört meines Erachtens auch zur menschlichen Würde. JedeR ein Individuum!

Würde ist unantastbar, ist die Botschaft unserer König:innen-Figur. Damit können wir spirituell unterschiedlich umgehen, ging mir bei der Meditation der Begegnung von Johannes und Jesus auf. Dogmatisch gesehen ist Jesus ganz Mensch und ganz Gott. Doch bringen wir Menschen das nicht zusammen und stehen in der Gefahr, in Jesus von Nazareth nur Gott zu sehen und sein Menschsein nicht ernst zu nehmen. Oder manchmal auch das Gegenteil. Die Theologiegeschichte ist ein gutes Beispiel dafür. Doch – finde ich – es ist wichtig, Jesu Menschsein ernst zu nehmen. Denn auch seine menschliche Würde scheint mir unantastbar zu sein. Erst so komme ich zu der befreienden Erfahrung, dass auch die Würde meines, unseres Menschseins unantastbar ist.

Etwas aktualisierend möchte ich da hinzufügen: Diese Würde ist nicht nur einigen alten, mächtigen Männer eigen, sondern allen Menschen, weil sie nach Paulus berufen und geheiligt sind. Und diese Würde darf und soll mein Leben, Ihr Leben und aller Menschen Leben unantastbar prägen. So kann und will ich uns heute symbolisch als Könige und Königinnen ansprechen. Das zeigt und sagt uns diese König:innen-Figur in der Wallfahrtskirche im Wesemlin, die ja auch einer Königin gewidmet ist, der Maria vom Wesemlin. Und so will ich künftig, wenn ich in diese Kirche trete, stets zum Hauptaltarbild schauen, sehen dass da meine Glaubens-Schwester und Freundin eine Krone trägt und mich dabei erinnern, dass wir alle König:innen sind, und dass ihre und unsere Würde unantastbar ist. Amen.