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Arbeiten und sich neu motivieren

19. April 2026
Arbeiten und sich neu motivieren

Predigt vom 19. April 2026; Johannes-Evangelium 21,1-14

Liebe Fischer und Fischerinnen
- Vielleicht besser
Liebe Kartoffelschäler und Rüeblipellerinnen

Das heutige Tages-Evangelium mag ich sehr. Da geschieht eine Jesus-, Auferstandenen-, Christus-Begegnung mitten Alltag von Fischern und nicht in fernen, weltabgewandten und mythischen kirchlichen Welten. Zweifach enttäuschte Fischer begegnen dem Auferstandenen, Jesus. Einmal sind die Fischer enttäuscht, weil die Jesus von Nazareth-Geschichte ganz anders endete als erhofft. Spiegelbildlich ähnlich ergeht es ihnen bei ihrer Arbeit: Aber in dieser Nacht fingen sie nichts. Welch ein Frust! Welch ein Ärger!

Auch mir geht es manchmal ähnlich und oft geht mir dann vom Mani Matter das Lied Dynamit durch den Kopf (abspielen):

Lied Dynamit von Mani Matter Text herunterladen

...

Und i ha mir a däm Abe im Bett en
Orde zuegsproche für my ganz allei
Glunge isch nume, dass zmonderischt scho
Über mi Red mir du Zwyfel si cho

Ja, da gibt es Momente, da kann ich schwärmen vom Kapuzinersein, vom Christsein, vom Schreiben und Photografieren eines Journalisten, ja sogar vom Predigen, es wird mir und den Zuhörenden vom Schwärmen warm im Herz.

Und i ha mir a däm Abe im Bett en
Orde zuegsproche für my ganz allei
Glunge isch nume, dass zmonderischt scho
Über mi Red mir du Zwyfel si cho

Doch, dann ärgere ich mich über einen Mitbruder, der für mich theologisch unverständlich oder sogar gefährlich denkt; über einen evangelikalen Christen, der im Ernst mit der Bibel behauptet, dass der Libanon nur den Juden gehöre und Christen und Muslime vertrieben und zerbombt werden müssten.

Dann kommt mir für einen versprochenen Artikel keine schlaue Geschichte in den Sinn oder die Predigt scheint leer und geistlos zu werden. Auch die Jünger merkten, dass Jesus von Nazareth nicht gebracht hat, was sie erwartet hatten und die nächtliche Arbeit war auch ein Flopp. Da macht weder Jesus-Nachfolge noch Fischen Spass.

Und in diese mühsamen Situationen hinein kann Wandlung geschehen. Und auch diese vielleicht nicht so wie erwartet: Meine Kinder, habt ihr keinen Fisch zu essen? Zu allem Ärger kommen noch Forderungen. Hat dieser Fremde nicht verstanden, dass da gerade keine Fische im Netz waren? Der Fremde hat keine Ahnung von Fischers Arbeit! Und dann gibt dieser Ungebetene, Unbekannte erst noch komische Ratschläge: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus und ihr werdet etwas finden. Als ob es eine Rolle spielt, das Netz rechts oder links vom Schiff auszuwerfen.

Die Jünger raffen sich auf und handeln und die Geschichte findet ihr Happyend. Jesus lädt die Jünger zum Essen ein. In meinem Alltag heisst es manchmal auch, dranbleiben und durchbeissen, mich neu zu motivieren: vielleicht ein Gebet, eine Nacht darüber schlafen oder noch besser, ein stilles Verweilen in der Gegenwart Gottes, Meditation. Da kann Wandel – ich denke auch göttliche bewirkte Veränderung geschehen. Nein, nicht als Weltabwendung, sondern als Weltzuwendung. Fischer gehen noch einmal auf den See, Kapuziner begeben sich in die brüderliche Kontemplation, Christen feiern Gottesdienst oder leben Nächstenliebe durch konkrete Diakonie und Nächstenliebe. Und ich versuche es noch einmal mit meinem Artikel oder einer Predigt. Der Auferstandene im heutigen Tagesevangelium rät den Jüngern konkret ihrer Arbeit nachzugehen, dranzubleiben und zu arbeiten, um so Jesus Christus begegnen zu können. Im Alltag, während der Arbeit begegnet und wirkt Gott. Das mag ich sehr. Nichts Vergeistigtes.

Solches Leben fasziniert und nährt. Fulbert Steffenski spricht von Schwarzbrot-Spiritualität. Und im Moment lese ich mit Gewinn das Buch Nach der Erleuchtung Wäsche waschen und Kartoffeln schälen von Jack Kornfield. Und diese Titel begleiten mich, wie auch der Satz von Mani Matter Glunge isch nume, dass zmondrischt scho; über mini Red mir du Zwiefel si cho. Aber dann trotz Zweifel am Ball bleiben, nicht aufgeben und konstruktiv weitermachen. Oder wie sagt Jesus im Johannesevangelium zu den Jüngern:

Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus
und ihr werdet etwas finden.
Sie warfen das Netz aus
und konnten es nicht wieder einholen,
so voller Fische war es.

Liebe Fischer und Fischerinnen
Vielleicht besser
Liebe Kartoffelschäler und Rüeblipellerinnen

Jesus, den Auferstandenen, Christus, Gott in unserem Alltag und Arbeiten wahrnehmen und wirken lassen. Sich während der Arbeit überraschen lassen. Mich der Welt und ihren Fragen zuwenden, verantwortungsvoll und konstruktiv handeln, das nehme ich gerne vom heutigen Evangelium mit in die kommende Woche. Dazu ermutigt mich diese Jünger-Geschichte und andere Geschichten und Erfahrungen aus meinem Leben, vermutlich auch Erlebnisse aus ihrem Leben. Dies auch in einer vielleicht anspruchsvollen und nicht nur klaren Veränderungszeit, wie wir im Moment erleben. Dranbleiben und auf Gottes Gegenwart vertrauen, auch wenn wir nicht alles klar sehen oder im Griff haben. Packen wir zu und werfen die Netze neu, wiederum. Amen.