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Vom Sandkastenfreund zum Variété Direktor

24. Februar 2026
Vom Sandkastenfreund zum Variété Direktor

Vor Jahrzehnten erlebten wir unsere Abenteuer im Sandkasten. Heute staune ich über den Feuerkünstler. Raffi Kost habe ich für ITE 2026/1 besucht und einen Artikel geschrieben, v.a. viele wunderbare Fotos mit nach Hause genommen. Hier mein Artikel zu "Ich spiele am liebsten in der Nacht". 

Rafael Kost ist Direktor von Variété Pavé und lebt als Unterhaltungskünstler in einem Zirkuswagen. Vor allem in der wärmeren Jahreszeit tourt er durch die Schweiz – und manchmal auch im Ausland. Im November 2025 besuchte ITE ihn am Weihnachts-Zirkus-Zauber in Russikon. Ein Erfahrungsbericht.

Am Nachmittag hat es geschneit und Russikon zeigt sich im weissen Winterkleid. Im Märliland, beim Kerzenziehen lautes Kinderlachen, das Karussell dreht seine Runden. Im Variété Pavé ist es ruhig. Die Nachmittagsvorstellung ist vorbei und Schnee setzt sich an den Rändern der Manege an. Gegen halb fünf, es dunkelt ein, erscheinen die ersten Familien und setzen sich gespannt. Der Direktor des Varietés erscheint mit einem grossen Schaber und beginnt Schnee und Wasser von der Manege zu entfernen. Die Artisten und Artistinnen brauchen guten Halt für ihre Kunststücke. Familien und vor allem Kinder warten aufgeregt und voller Neugierde. «Es gibt Kinder, die kommen fast täglich zum Varieté», erzählt mir Rafael Kost später, nach der Vorstellung.

Feuerwehr und Feuerkünstler

Rafael Kost ist Feuerkünstler. «Feuer ist ein Lebewesen, wie ein wildes Tier», beschreibt der Feuerbändiger sein Verhältnis zu seinem Kunstobjekt. Dabei ist jeder Moment einzigartig, und vor allem der Wind spielt stets mit auf der Bühne. So muss er immer achtsam sein, was das Feuer gerade im Sinn hat.

Die Vorstellung beginnt, eine Gauklerin mit Feuerwehrhelm betritt lautstark die Manege. Auf lustige und unterhaltsame Weise versucht sie, die Feuer-Sicherheit auf der Bühne zu erklären. Und dann erst noch all die Mühen mit der Leiter, die nicht so will wie die Gaukler-Feuerwehr-Frau will. Kinder und Erwachsene lachen laut, und die Gauklerin hat das Publikum schnell im Sack. Kinder, welche die Aufführung schon mehrmals gesehen haben, fiebern dem nächsten Höhepunkt entgegen. Der Schnee fällt nicht mehr vom Himmel, es dunkelt ein und wird Nacht. Mit aller Not kann die Gauklerin die Leiter zusammenlegen und von der Bühne tragen.

 

«Feuer fasziniert in der Nacht speziell.»

 

Zwei Artisten, ein Mann und eine Frau, stürmen in die Manege und zeigen ebenfalls ihre hohe Kunst. Die Scheinwerfer fokussieren auf das Geschehen. Die beiden Künstler stehen im Lichtkegel, rundherum ist es dunkel. Dunkelheit kann eine Hilfe sein, sich auf ein spezielles Geschehen zu konzentrieren. Jetzt ist es nicht mehr lustig, eher mystisch und poetisch. Ruhigere Musik und sachte Bewegungen erfüllen den Lichtkegel. Zuschauende kommen ins Träumen und Nachdenken.

Plötzlich steigt die Spannung. Was macht die Artistin mit dem Reifen in weiten Höhen? Hoffentlich hat sie die Situation im Griff und fällt nicht herunter! Die Zuschauer sehen nur noch die Frau und ihre Bewegungen mit dem Reifen in der Luft. Alles andere verschluckt die Dunkelheit. Welch eine Grazie. Welche Anmut.

Feuer lebt

Die Gaukler-Feuerwehr bringt sich in Stellung neben dem Direktor des Varietés. Nun hat dieser Feuerkünstler ein spezielles Tischen vor sich und bald fliegt das Feuer durch die Luft. An Ringen und Stäben brennt und wirbelt es durch die Luft. Die Zuschauenden klatschen begeistert und freuen sich ausgelassen. Rafael Kost kommentiert später im Gespräch: «Feuer fasziniert in der Nacht speziell». Schon als Kind hat er mit Wundbenzin seine ersten Künste eingeübt. Okay, einmal hat mehr gebrannt, als geplant war.

Die Spannung steigt. Der Direktor führt einen brennenden Stab zu seinem Mund. Es wird still und alle halten den Atem an. Ein kleines Mädchen sagt besorgt zu ihrem Vater: «Papi, brennt er sich nicht?» Dann schnappt der Direktor den Stab mit dem Mund und das Feuer ist erloschen. Erleichtertes klatschen erfüllt die Zuschauer-Tribüne und die Besorgten sind erleichtert. Welch ein Schreck, als der Direktor Feuer speit und der Stab neu entflammt. Ein Spiel mit den Emotionen.

 

Heute spaziert Raphael Kost sehr gerne in der Nacht und spürt in die Dunkelheit hinein.

Rafael Kost besuchte, so erzählt er mir nach der Vorstellung, zuerst eine Ausbildung zum Fotolaboranten (noch vor dem digitalen Zeitalter). Da arbeitete er sehr gerne in der Dunkelkammer und lernte, sich im Dunkeln zu bewegen und zu hantieren. Heute spaziert er sehr gerne in der Nacht und spürt in die Dunkelheit hinein: Nachts im Wald, wie ein Blinder, auf Überraschungen gefasst. «Die Sensoren werden sensibler. Und manchmal stolpert man in einen Baum hinein», erzählt er begeistert. «Ja, ich bin ein Nachtmensch und viele seiner Ideen entstehen in der Nacht.»

Auftritte und weiteres: https://www.variete-pave.ch/